Priv. Doz. Dr. Martin Weichold
Lehrkraft am Institut für Philosophie, TU Dresden
Forschungseinrichtung der Hans-Lungwitz-Stiftung in Dresden. Seit August 2025 verbindet das Institut die Psychobiologie nach Hans Lungwitz mit aktuellen Positionen des Enaktivismus, einer einflussreichen Strömung der zeitgenössischen Philosophie des Geistes.
Das Lungwitz-Institut für Enaktivismus ist eine Forschungs- einrichtung der Hans-Lungwitz-Stiftung mit Sitz in Dresden. Seine Aufgabe ist es, das Werk von Hans Lungwitz im Gespräch mit der gegenwärtigen Kognitionswissenschaft und Philosophie des Geistes weiterzudenken.
Konkret untersucht das Institut, wie Lungwitz' Psychobiologie an den Enaktivismus anschlussfähig ist: eine philosophisch-kognitionswissenschaftliche Position, die seit den 1990er Jahren Wahrnehmen, Denken und Handeln als aktive, leiblich verankerte Vollzüge versteht.
Die Forschung wird von zwei Stipendiaten getragen, die beide an der Technischen Universität Dresden affiliiert sind.
Lehrkraft am Institut für Philosophie, TU Dresden
Philosoph in Dresden, assoziiert mit der TU Dresden
Der Enaktivismus ist eine philosophisch-kognitionswissenschaftliche Position, die 1991 mit dem Buch The Embodied Mind von Francisco Varela, Evan Thompson und Eleanor Rosch öffentlich wurde.
Die Kernidee: Kognition ist nicht die innere Repräsentation einer vorgegebenen äußeren Welt durch einen vorgegebenen Geist. Kognition entsteht vielmehr im aktiven Zusammenspiel eines lebendigen Organismus mit seiner Umwelt, also durch leibliche Handlung und sensomotorische Kopplung. Geist, Leib und Umwelt bilden ein untrennbares dynamisches System.
Heute ist der Enaktivismus eine der einflussreichsten Strömungen innerhalb der sogenannten 4E Cognition: Geist als embodied, embedded, enacted und extended.
Francisco Varela · Evan Thompson · Eleanor Rosch · Ezequiel Di Paolo · Hanne De Jaegher · Shaun Gallagher · Daniel Hutto · Erik Myin · Martin Weichold · Zuzanna Rucińska
Vier inhaltliche Brücken machen plausibel, warum sich Lungwitz' Werk und der Enaktivismus produktiv zusammenführen lassen.
Lungwitz' These, dass alle psychischen Eigenschaften biologisch und physisch aufweisbar sind, teilt der Enaktivismus radikal. Beide lehnen die cartesianische Trennung von Geist und Leib ab.
Lungwitz' „neurologisch basierte, kausalitätsfreie, metaphysikfreie Anthropologie“ steht in einer Linie mit Evan Thompsons „life-mind continuity“: kognitive Prozesse stehen in einem Kontinuum mit Lebensprozessen.
Erkenntnis ist bei Lungwitz nicht passives Abbilden, sondern aktive, körperlich verankerte Tätigkeit. Der Enaktivismus formuliert ähnlich, dass Wahrnehmen und Erkennen Handlungsvollzüge sind, durch die ein Organismus seine bedeutsame Welt mit hervorbringt.
Hausens Lungwitz-Studie verortet die Psychobiologie unter anderem in der phänomenologischen Tradition (Husserl, Merleau-Ponty). Der Enaktivismus ist seit Varela und Thompson explizit phänomenologisch anschlussfähig.
Eine Auswahl öffentlicher Aktivitäten der Institutsmitglieder mit thematischem Bezug zum Forschungsprogramm.
9. Jahrestagung des Netzwerks für Hermeneutik und Interpretationstheorie, Universität Zürich
Martin Weichold und Friedrich Hausen
Workshop Embodied Cognition, Prag
Martin Weichold
Eine vollständige Übersicht über Vorträge, Workshops und Publikationen des Instituts wird ergänzt.