01Einstieg

Was die Psychobiologie charakterisiert.

Fünf Kernpunkte fassen die Psychobiologie zusammen. Jeder Punkt wird in den folgenden Abschnitten vertieft.

  1. 01

    Enthält eine einheitliche Theorie der Erkenntnis unter Berücksichtigung des philosophischen und des biologischen Aspektes des Leib-Seele-Problems.

  2. 02

    Beschreibt menschliches Fühlen, Wahrnehmen, Handeln und Denken in Korrelation zur Struktur und Funktion des Organismus, besonders des Gehirns.

  3. 03

    Behandelt die Korrelation zwischen Onto- und Phylogenese sowie der Gehirnentwicklung.

  4. 04

    Liefert biologische Grundlagen der Sprache und eine biologisch basierte Linguistik.

  5. 05

    Bildet die wissenschaftliche Basis für Kognitive Psychotherapie und die Erkenntnistherapie nach Lungwitz.

02Das Axiom

Das Bewusste als Funktionseigentümlichkeit.

Es ist Stand der Erkenntnis, dass das Bewusste mit einer spezifischen Funktion spezifischer Zellen der menschlichen Großhirnrinde korreliert: dem neuronalen Korrelat des Bewussten (Neuronal Correlate of Consciousness, NCC).

Lungwitz formuliert das so: Das Bewusste ist Funktionseigentümlichkeit spezifischer Zellen der Hirnrinde, kurz FEH.

Jedes Gefühl, jeder Gegenstand, jeder Gedanke, jede Vorstellung, Idee und Erinnerung ist Funktionseigentümlichkeit der menschlichen Hirnrinde als dem Organ des Bewusstseins.

Daraus folgt die kompakte Erläuterung des Begriffs „Bewusstes“:

Das Bewusste „erscheint“ als Gefühl, Gegenstand und Begriff.

03Drei Erscheinungsformen

Gefühl, Gegenstand, Begriff.

Die Psychobiologie ordnet jedes Bewusste einer von drei Schichten der Hirnrinde zu. Diese drei Formen sind die fundamentalen Kategorien des Bewussten.

I

Gefühle

Gefühle korrelieren mit dem Funktionshöhepunkt der kleinen Pyramidenzellen der Hirnrinde. Diese Zellen bilden das kortikale Zentrum des sympathischen und parasympathischen Nervensystems und fungieren als Organ der Gefühlswahrnehmung.

Die fünf Grundgefühle

  • Hunger Wille, Wunsch, Verlangen, Mut, Not, Durst, Sehnsucht
  • Angst Erwartung, Schwanken, Vorsicht, Scham, Hemmung
  • Schmerz Trennung, Entscheidung, Überwinden, Kämpfen, Leiden
  • Trauer vollzogene Trennung, Verlassensein, Ermattung
  • Freude Vollendung, Erfolg, Befriedigung, Glück, Sättigung

„Es gibt keine hundertprozentig reinen Gefühle.“ Mischgefühle wie Hoffnung (freudehaltiger Hunger) oder Trost (freudehaltige Trauer) ergeben sich aus Kombinationen.

II

Gegenstände

Gegenstände korrelieren mit dem Funktionshöhepunkt der großen Pyramidenzellen, die auf senso-motorischen Reflexstrecken des Organismus liegen. Die Psychobiologie unterscheidet neun Arten von Gegenständen.

Beispiele für Mischformen

  • Ein schreiendes Kind ist ein optischer Gegenstand mit einer akustischen Symbolkomponente.
  • Eine kräftige Berührung ist ein taktiler Gegenstand mit einer statischen Symbolkomponente.
  • Drückende Hitze ist ein thermischer Gegenstand mit einer statischen Symbolkomponente.
  • Ein geschmackvolles Kleid ist ein optischer Gegenstand mit einer gustatorischen Symbolkomponente.

Gegenstände werden zudem nach ihrer Gefühligkeit geordnet. Es gibt hunger-, angst-, schmerz-, trauer- und freudegefühlige Gegenstände. Das Wort „Energie“ ist hungergefühlig, das Wort „Arbeit“ schmerzgefühlig.

III

Begriffe

Die Begriffe sind Aktualitäten der polymorphen Zellen der Hirnrinde. Sie werden danach klassifiziert, mit welchen Zelltypen sie neuronal assoziiert sind. Die Psychobiologie unterteilt die Begriffssphäre in drei Zonen.

Drei Zonen der Begriffssphäre

  1. 1
    Individualbegriffe

    Direkt mit Gegenstandszellen assoziiert. Beispiel: „Fritz erinnert sich konkret an seinen Vater“.

  2. 2
    Primäre Kollektivbegriffe

    Hauptsächlich mit der ersten Zone verbunden. Beispiel: „Vater (als solcher)“.

  3. 3
    Finale Kollektivbegriffe

    Vorwiegend mit der zweiten Zone verbunden. Beispiel: „das Väterliche“.

Die emotionale Intensität nimmt mit der assoziativen Entfernung von Gegenstands- und Gefühlssphäre ab.

04Originalquelle

In den Worten von Hans Lungwitz.

„Das erkenntnistheoretische Grundproblem ist die Frage nach dem Wesen der Dinge, also die Trias: was ist das Erkannte (Wahrgenommene, Angeschaute, Bewusstes, Objekt), was ist das Erkennende (Wahrnehmende, Anschauende, Denkende, Geist, Seele, Ich, Subjekt), und was ist, wie geschieht das Erkennen (Wahrnehmen, Anschauen, Denken, Empfinden, Fühlen, Interaktion)?“

Hans Lungwitz
05Vertiefung

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Die hier zusammengefasste Theorie wird in den Werken von Hans Lungwitz ausführlich entwickelt. Eine vollständige Werkliste inklusive Vorstandsbeiträgen und geförderten Publikationen findest du in der Bibliothek.

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